Die Handwerksakademie

So werden die Guten noch besser!

Schwächen permanent in Stärken umzuwandeln, kostet viel Kraft und Zeit. Selbst bei maximaler Anstrengung gelingt es oftmals nur mit mittelmäßigem Erfolg. Effektiver ist es, bereits vorhandene Stärken noch weiter auszubauen und zu fördern. Dadurch kommt man vom Mittelmaß zur Bestleistung.


Stärken gekonnt nutzen

Wie man Stärken von Mitarbeitern im Handwerk Betrieb gekonnt fördert und zur Geltung bringt, wird an folgendem Beispiel deutlich. Ein besonders wertvoller Mitarbeiter bei uns hat eine ausgeprägte Lese- und Rechtschreibschwäche. Nur mit großer Mühe und enormem Zeitaufwand gelingt es ihm, Dokumente zu verfassen. Doch beim Rechnen und im Umgang mit Zahlen ist er ein Genie. Macht er ein Flächenaufmaß beim Kunden, weiß er noch nach Wochen die Quadratmeter der einzelnen Räume. Selbst Hausnummern und Telefonnummern der Kunden merkt er sich sofort und speichert sie im Gedächtnis ab. Schriftverkehr und Bautagebuch dagegen fallen ihm schwer. Aus diesem Grund haben wir Baustellendokumente (Materialverbrauch und anderes) in Listenformat dargestellt. So müssen nur noch Mengen und Kreuzchen eingetragen werden. Dies hat den Vorteil, dass Mitarbeiter mit begrenzten Lese- und Rechtschreibkenntnissen die Arbeit schnellstmöglich erledigen können. Es ist die Verantwortung des Chefs, alle Mittel zur Verbesserung der Leistungserbringung, zur Verfügung zu stellen.

 

Man lernt nie aus

Veränderungen im Handwerk sind so rasant wie nie zuvor in der Geschichte. Und die Geschwindigkeit wird noch mehr zulegen. Man hat die Wahl, mit dem Wandel der Zeit zugehen oder von ihm abgehängt zu werden. Damit man stets auf dem neusten Stand bleibt, sollten Veränderungen im Betrieb als „Normalzustand“ verstanden werden. Schließlich kommt großer Erfolg durch Menschen, die ihnen gestalten wollen. Herr Bergfeld, ein Berater für Handwerksunternehmen prognostiziert:

Im Handwerk wird es in absehbarer Zeit nicht nur Veränderungen geben, sondern Verwerfungen.

Aus diesem Grund ist die Weiterbildung und Qualifikation der Mitarbeiter immer mehr eine Grundvoraussetzung für den betrieblichen Erfolg. Der innovative Mittelstand schickt seine Mitarbeiter regelmäßig auf Weiterbildungen. Handwerker dagegen, bilden sich nur weiter, wenn gerade einmal Zeit dazu ist. Der Grund sind die unvorhersehbaren Überraschungen und Planänderungen im Handwerk. Sobald ein Kunde einen Wasserschaden hat beispielsweise, wird dem Veranstalter kurzfristig abgesagt. Die Liste der Vorkommnisse ist lange und reicht von kaputten Heizungen, bis hin zu Problemen auf der Baustelle. Gerade deshalb sollte man Weiterbildungen für alle, als festen Bestandteil des Jahres, in den handwerklichen Alltag installieren. Die Schulungsangebote von Industrie, Großhandel und Handwerkskammern sind vielfältig. Eine Schulung je Mitarbeiter und Jahr halte ich für das Minimum. Hierbei können die Mitarbeiter die Themen selber aussuchen und sich dafür eintragen.

 

Wissenswachstum fängt bei einem an

Schließt ein Mitarbeiter seine Weiterbildung ab und kehrt zum Unternehmen zurück, sind die nächsten Schritte der Wissensverbreitung von bedeutender Relevanz. Es gilt das Erlernte sowie die Schulungsunterlagen an das ganze Team weiterzugeben. Da die Seminarteilnehmer wissen, dass sie die Lerninhalte anderen weitergeben sollen, sind sie zusätzlich motiviert, aufmerksam an der Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen. Die Verteilung der Informationsbeschaffung auf mehrere Schultern, ist eine sinnvolle und kostensparende Vorgehensweise. Besonders bei Produktneuheiten und neuen Verarbeitungstechniken. Die Schwemme von neuen Produkten für das Handwerk ist mittlerweile enorm und so vielfältig wie noch nie. Der Wissenstransfer ermöglicht, dass alle im Unternehmen von der Weiterbildung profitieren. Selbst wenn nur eine Person daran teilnimmt. Bildet sich eine Arbeitskraft nicht, weiter sinkt ihr Wert für das Unternehmen. Es ist Aufgabe des Betriebsinhabers, das zu kommunizieren und in das Bewusstsein der Mitarbeiter zu transportieren. Jeder sollte es sich wert sein, mindestens 16, besser 40 Stunden im Jahr in seine Qualifikation zu investieren. Das kann nicht nur Aufgabe des Arbeitgebers sein. Ein guter Anfang ist es sich mit Fachzeitschriften zu beschäftigen. Diese sollte der Betrieb für jeden zur Verfügung stellen.


Eine zeitgemäße Einstellung

Menschen, die nicht bereit sind sich weiterbilden, werden auf lange Sicht eine Last für den Betrieb. Sie haben stets ihren eigenen Vorteil vor Augen und schauen nie über ihren eigenen Tellerrand hinaus. Das Handwerk braucht Menschen, die sich für das Gesamtwohl des Betriebes und des Kunden einsetzen. Der Betrieb kann ruhig die Reise- und Verpflegungskosten für die Weiterbildungen übernehmen. Die zu investierende Zeit sollte der Mitarbeiter jedoch bereitstellen. Schließlich steigt sein Marktwert, durch die fachlich und persönliche Weiterentwicklung. Fehlt die Bereitschaft seitens des Mitarbeiters dafür, ändert sich die Welt und Kunden um hin heraus massiv. Er hingegen bleibt Jahre zurück. Dies ist keine zeitgemäße Einstellung gegenüber dem Arbeitgeber. Vielleicht bedarf es nur eines Gesprächs, um den Mitarbeiter zu ermuntern, regelmäßig auch an sich selbst zu arbeiten. Arbeitskräfte, die sich in einer Aufgabe verwirklichen wollen, sind zukünftig gefordert. Sie brauchen keine Motivation von außen, sondern sind willig, sich selbständig weiterzubilden.